Die Suche nach dem Heiligen Gral: Kosten-Nutzen-Bewertung im deutschen Gesundheitswesen
Versorgungsforschung und GKV-Leistungskatalog einbeziehen│ Eine breitere Öffentlichkeit in die Debatte einbeziehen
Auch nach dem Ende der Amtszeit von Jörg-Dietrich Hoppe, der sich in der sogenannten „Priorisierungsdebatte“ stark engagiert hatte, bleibt das Thema auf der Agenda: die Notwendigkeit , medizinische Leistungen nach ihrem Kosten und Nutzen zu bewerten. Die medizinische Forschung schreitet voran. Immer mehr Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung. Gleichzeitig schwinden die nötigen finanziellen Rücklagen im Versichertensystem. Die Frage nach dem Umgang mit den knappen Mitteln im Gesundheitswesen spitzt sich zu: Mit welchen Instrumenten kann dieser Mittelknappheit begegnet werden? Welche politischen Schritte stehen an?
Dr. Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI), nimmt die Politik in die Pflicht: „Vom Gesetzgeber wird das Problem der Mittelknappheit und die damit einhergehende Notwendigkeit zur Rationalisierung bisher standhaft ignoriert“, so Wesiack. „Dabei mehren sich die Anzeichen für Qualitätseinbußen aufgrund begrenzter Ressourcen“, fügt er hinzu. „Wir brauchen ein funktionierendes Werkzeug zur Kosten- und Nutzenbewertung. Hierfür muss die Versorgungsforschung ausgebaut und der Leistungskatalog der GKV neu bestimmt werden.“ Die Diskussion müsse über eine reine Fokussierung auf Rationalisierungsmodelle hinausgehen. Der BDI plädiert außerdem dafür, den bisher überwiegend wissenschaftlich geführten Diskus auf eine breitere öffentliche Ebene zu bringen. Denn entgegen dem mancherorts heraufbeschworenen Anschein gibt es ein objektives Bewertungsinstrument für medizinische Leistungen bisher nicht. Ökonomische Verfahren zur Definition, Bewertung und Umsetzung der Begriffe „Kosten“ und „Nutzen“ allein reichten hierfür nicht aus.Ein funktionierendes Instrument zur Kosten-Nutzen-Bewertung könne darum nur über eine breiter angelegte Auseinandersetzung mit der Thematik erreicht werden.
Zu diesem Zweck ruft der BDI auf dem 4. Deutschen Internistentag in Berlin ein qualifiziert besetztes Podium zusammen: Ulrike Flach, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Dr. med. Stefan Etgeton, Verbraucherzentrale Berlin, Dr. jur. Rainer Hess, Vorsitzender Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Dr. Günther Jonitz, Vorstand Bundesärztekammer (BÄK) und Prof. Dr. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender DAK, erörtern gemeinsam die Problematik. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Veranstaltung„Kosten- und Nutzenbewertung in der internistischen Krankenbetreuung“ am Do., 22. September 2011 um 15.15 Uhr im Hörsaal des Langenbeck-Virchow-Hauses, Berlin


